Guten Morgen!
Was mich tatsächlich ein wenig „irritiert“, ist nicht die Entscheidung an sich, sondern die Begründung
(alle 58.000 Dokumente möglichst innerhalb einer Challenge-Woche zu erfassen.)
Natürlich wäre es wunderbar, dieses Ziel 2026 zu erreichen. So viele Menschen engagieren sich, sind hoch motiviert.
Aber ganz ehrlich: Welchen Unterschied macht es, ob ein challenge-workflow „pünktlich“ abgeschlossen wird oder „erst“ in 10 oder 14 Tagen?
Würde das die öffentliche Wirksamkeit herabsetzen? Wären Freiwillige frustriert, enttäuscht? (das zu vermuten, würde heißen, ihre Ernsthaftigkeit zu unterschätzen)…
Würde das Ansehen der Arolsen Archives darunter leiden?
All das glaube ich überhaupt nicht.
Die meisten der NS-Dokumente lagern seit mehr als 80 Jahren in Kartons, Schubladen, Regalen. Natürlich müssen sie digitalisiert und konserviert werden, aber da kann es doch nicht auf ein paar Tage ankommen. Es geht doch nicht um einen gewonnenen Wettbewerb (höher - schneller -weiter).
Es sollte z.B. auch immer Zeit bleiben, hin und wieder bei den Menschen und ihren Schicksalen/Geschichten zu verweilen. („Vielleicht hat dieses Kind überlebt, weil ich es in keiner anderen Datenbank gefunden habe?“) Auch so etwas vertieft das Verständnis, den Zugang zu dieser Thematik (und ganz sicher auch bei den „jungen Menschen“!)
Letztes Jahr waren wir zu schnell. Freude darüber kam aber nicht auf . Stattdessen eine hektische Betriebsamkeit wegen eines Dokumenten-Nachschubs (mit dem bekannten Chaos als Resultat .. )
Dieses Jahr sind wir zu langsam . Wieder scheint eine kleine Panik auszubrechen .
Wieder werden Rahmenbedingungen „angepasst“. Ich will nicht hoffen, dass auch noch Dokumentenbereiche aus der Erfassung entfernt werden, um die Arbeit zu beschleunigen…
(Die hier geäußerte Befürchtung, der workflow könnte abrupt und unvollendet enden, habe ich aber nicht.)
Aus den genannten Gründen wünsche ich mir einfach mehr „Gelassenheit“ in manchen Bereichen. (ein anderes Wort fällt mir gerade nicht ein)
Lasst uns einfach weiter gemeinschaftlich an diesem wichtigen „Denkmal“ bauen, beharrlich und respektvoll – jede/r auf ihre/seine ganz persönliche Art.
Beste Grüße an alle!
(auch der Winter scheint dieses Jahr etwas „länger“ zu dauern- aber der Frühling ist nah!)