? - meaning of "Polish B/R"

  • Document ID: 47292126a
  • Document Collection: DP3 of CNI - Central Name Index
?

Discussion Question

Rozalia CZECIUK née KULKA

Asked by @routebleue

This is the second time I come across this entry in „nationality“
Could „B/R“ refer to White Ruthenia (Biełaja Ruś / Belarus / …)?
Her husband was born in Makarki (Poland, today in Siemiatycze County) near the Polish-Belarusian border. He probably considered himself a White Ruthenian.
Maybe Rozalia was assigned his citizenship after their marriage in 1947?

his DP2 card (from Arolsen archives, see link below)


Rozalia (Rose) CZECIUK née KULKA (22.05.1925 – 27.11.1997)
arolsen-archives

her husband: Stefan (Steve) CZECIUK (20.03.1915 – 26.20.1994)
arolsen-archives

They went to the US in 1950. (aad.archives)
myheritage (behind pay wall)

https://www.ancientfaces.com/person/rose-czeciuk-birth-1925-death-1997/35393979

https://sortedbyname.com/letter_c/czeciuk.html

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Könnte es das sein?

Übersicht mit KI

Die Abkürzung „B/R“ steht in behördlichen oder Pass-Dokumenten (oft im britischen oder Commonwealth-Kontext) für „British/Right of Abode“ (Britisches Recht, sich unbegrenzt im Vereinigten Königreich aufzuhalten).

  • Staatsangehörigkeit: Sie besitzen die polnische Staatsangehörigkeit.
  • Aufenthaltsstatus (B/R): Der Zusatz „B/R“ ist keine Nationalität. Er weist Sie als Inhaber eines polnischen Passes aus, der zusätzlich das unbeschränkte Aufenthalts- und Arbeitsrecht in Großbritannien (Right of Abode im Vereinigten Königreich) besitzt. (Quelle: Wikipedia)

Liebe Grüße aus der Sauna

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[edit]
Tja, schwierig ohne Quelle…
Trotzdem vielen Dank, @u.sch!

Auch ich hatte mir gestern KIs „Vorschläge“ durchgelesen (goggl, mit etwas zeitlichem Abstand)

1.„Polish B/R“ = British Resettlement für polnische DPs, die sich im Krieg besonders im Kampf gegen Nazi-Deutschland engagiert hätten. (sinngemäß) In den angeführten Quellen fand ich aber keinen Beleg für die Abkürzung „B/R“.
KIs Quellen führten u.a. zum „Polish Resettlement Act“ von 1947
„The Polish legacy in Britain is dominated by the Polish Resettlement Act of 1947, which allowed for almost 150,000 Polish ex-army members, including many of their dependents, to start life anew in Britain.“ [1]
Mehr Info dazu auf wikipedia
Das machte für mich noch am meisten Sinn. Trotzdem fragte ich mich, warum mir diese Abkürzung bei den hunderten von polnischen DP Karten erst 2mal begegnet ist… Auch wanderte diese Familie in die USA aus, nicht nach GB.

2. KI-Vorschlag: B/R = „British/Russian Zone“ (?!)

3. Vorschlag (gerade eben): [Zitat] "Der Zusatz „B/R“ steht im englisch-amerikanischen Kontext meist für Births/Registrations (Geburten und Registrierungen) in den DP-Lagern, betrifft aber oft auch die Betreuung und Repatriierung (Care/Repatriation) durch die UNRRA. [2] - [Zitat Ende]
habe aber auch hier die Abkürzung nicht entdeckt…


KI ist mir tatsächlich immer noch zu unsicher, bei sensiblen Themen verlasse ich mich ohne Rückversicherung nie darauf.
Es ist ja auch nicht so wichtig, ich war halt „neugierig“…

Hier ist es übrigens frisch (Jackenwetter), ich schick mal ein wenig Kühle in den Süden! :sun_behind_rain_cloud:


Nachtrag:

The right of abode (ROA) is an immigration status in the United Kingdom that gives a person the unrestricted right to enter and live in the UK. It was introduced by the Immigration Act 1971 which went into effect on 1 January 1973. [3]


  1. Title: ‘A Paradoxical People’ – Britain’s Responses to Polish DPs, 1945-1951 — Refugee History. ↩︎

  2. Die „Displaced Persons“ (DPs)) ↩︎

  3. ↩︎

Hallo Routebleue,

sorry, ich dachte ich hatte „Wikipedia“ mitkopiert. Mir ist dieser Stempel allerdings schon öfter begegnet… heute früh gleich als erstes. Ich werde sie jetzt immer mit dem Hastag posten, dann sehen wir, wie oft sie uns unterkommen.

Inzwischen hat es richtig heftig geregnet und die schwüle Luft weggeblasen. Danke für die Kühle :heart_eyes:

Hallo zusammen,

wir vermuten ebenfalls, dass der Stempel „Polish B/R“ mit der Claimed Nationality (beanspruchten Nationalität) zusammenhängen könnte. Möglicherweise wurde bei der Registrierung neben „Polnisch“ noch eine weitere Nationalität wie Belarus/Ruthenien angegeben. Aufgrund der Grenzverschiebungen nach dem Krieg waren solche Mehrfachangaben durchaus möglich und wurden bei der Registrierung von Displaced Persons akzeptiert. Für diese Deutung spricht auch die Karte ihres Mannes, auf der zusätzlich der Stempel „White Ruthenian“ angebracht wurde:

Arolsen Archives - International Center on Nazi Persecution | 03010101 25 272 - Ordner DP4274, Namen von CZECHOWSKYJ, KÄTHE bis CZEKALOWSKA, Irene (1).

Leider haben wir bisher kein offizielles Dokument gefunden, welches die Bedeutung des Stempels tatsächlich belegt, halten die Augen aber offen.

Viele Grüße und ein schönes & kühleres Wochenende,
Annabell

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Danke!
Wünsche euch allen ebenfalls ein entspanntes WE!
grafik

Diese Vermutung scheint sich zu bestätigen.
Im Krankenbuch Amberg kommt die Angabe „Polish B/R“ gleich mehrfach vor, auch als Variante „Polish W/R“.

Bei einigen Stichproben zeigt sich jeweils ein Zusammenhang mit „White Ruthenian“
(Quellen: [1] - [2] - [3] - [4] )

Beispiel [1]

Beispiel [2]

Beispiel [3]

Beispiel [4]


Fundstücke aus dem Netz

„The new classification system was also not consistent. It caused new confusion, as illustrated, for example, by the attempt to find an unambiguous designation for people from Belarus: ‘White Russian’, the draft proposed, was to be used as follows: ‘A White Russian (geographically) is a synonym for Byelorussian and should be called USSR Byelorussian, Polish Byelorussian, Tzechoslovak [sic] Byelorussian, etc. […]“
Disputed (Non-)Belonging: Migrant Agency in the European Displacement Crisis 1945–56
[Hervorhebung von mir]


This DP „[…] emigrated to Australia, where immigration records listed him as an Orthodox Polish Belarusian.[…]“ (source)


Vielleicht ist B/R auch eine Variante für "Беларуская Народная Рэспубліка /Biełaruskaja Narodnaja Respublika (BNR ), engl: Belarusian People’s Republic ? (wikipedia)
In dem Artikel „The formation of Belarusian statehood in 1918-1920s“ (Archives of Belarus) erscheint die Bezeichnung „Belarusian Republic“ wörtlich in diesem Kontext.
[edit: Ich konnte diesen link zeitweise nicht mehr öffnen, auch die Seite war nicht erreichbar - obwohl bei der google-Suche angezeigt - keine Ahnung, woran es liegt…]

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Vielen Dank für die vielen Quellen, das ist sehr hilfreich für uns!

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Danke für das Teilen der Recherche!

Was ich mich frage, laut den Anweisungen für Registrierung von DP’s:
geht es ja um die Staatsangehörigkeit und nicht um die Nationalität.


Das wird bei Galiziern beispielweise schwierig, denn laut dem Minderheitenschutzvertrag von 1919 bekamen „Minderheiten“ (Ukrainer, Juden, Deutsche, usw.) automatisch die polnische Staatsbürgerschaft, die 1934 dann einfach ausgesetzt wurde und diese wurden teilweise „staatenlos“ [1]- Bei Galiziern ist aber oft die Eintragung Ukr-Pol zu finden- siehe hier:

edit1: anderes Beispiel - Geburt 1900 - beide Einträge Pol-Ukr und staatenlos
shared by @velthove1


link
Julia TYSCHKIWSKA #polish #ukrainian

POB: Lwiw (Lwow) - Galizien
link


staatenlos
DocID: 75314951 (JULIA TYSCHKIWSKA)

Eine ukrainische Staatsangehörigkeit hätten sie ja zu keinem Zeitpunkt erlangen können (meiner Meinung nach! - außer in der Westukraine (UNR 1917-1921 - aber nach dem „Zerfall“ existierte der Staat ja nicht mehr). - Somit wurden vielleicht (!) Staatsangehörigkeit + Nationalität kombiniert - so ergab sich dann Pol. Ukr. oder Polish/Belarusian?


edit2: Gedanken: Ich habe mich gefragt, warum die DPs zusätzlich die Zuschreibung „ukrainisch“ oder „belarussisch“ wählten. Dabei handelt es sich allerdings lediglich um eine Vermutung, für die ich keine Quellen habe. Da Belarus und die Ukraine neben Russland zu den „Gründungsrepubliken“ der UdSSR gehörten und die Ablehnung einer Repatriierung häufig mit der Ablehnung des kommunistischen Regimes begründet wurde, könnte es für die Betroffenen vorteilhaft gewesen sein, ihre ukrainische oder belarussische Herkunft ausdrücklich zu betonen.


Beispiel - Tichonow Konstantin


Auch interessant: zwar habe ich nichts über B/R gefunden, aber hier werden einige „Fälle“ der DPs beschrieben.

Manual for Eligibility Officers / International Refugee Organization (IRO)

edit: anderes Beispiel: Julia TYSCHKIWSKA
edit2: Gedanken


[edit3]
Als Eintrag: ukrainian; Polish citizen


  1. aus dem Buch „Rückkehr nach Lemberg“ von Philippe Sands: „Er hatte seine polnische Staatsbürgerschaft verloren -genauso plötzlich wie er sie 1919 erhalten hatte. (…) Der Verlust sollte jedoch einen unabsichtlichen Vorteil haben: Als Staatenlosem konnte Leon ein Fremdenpass ausgeteilt werden, der nicht mit einem großen roten J, dem Zeichen für Juden, gestempelt werden musste.“ ↩︎

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Vielen Dank für’s Finden + Teilen, @mally ! (wieder was dazu gelernt…)

Zu den Registrierungsanweisungen für DPs:
Die Bestimmungen waren in der täglichen Praxis in den Lagern vermutlich schwer umzusetzen.
Aus den Karten geht z.B. hervor, dass dort Schreibkräfte ganz unterschiedlicher Herkunft arbeiteten. Der Eintrag „polonaise“ (in Nationalität) verweist auf einen französisch-sprachigen Mitarbeitenden, der wahrscheinlich selbst bei gutem Willen ukrainisch sprechenden DPs diese Richtlinien kaum erklären konnte!

Außerdem konnten sicherlich viele DP keine „Papiere“ vorlegen, um ihre Staatsangehörigkeit zu beweisen.
(Oder nur Täter-Dokumente mit (pseudo-) Bezeichnungen wie „Ostarbeiter“ / „Russen“ (statt Ukrainer)" etc.)
Im o.g. „Manual for Eligibility Officers“ wird dieses Dilemma der Nachkriegs-Verwaltung ganz gut beschrieben:
tatsächlich keine Papiere - absichtlich vernichtete/vorenthaltene Papiere – falsche oder nicht eindeutige Angaben. (see Ch. II, p..6 ff: "Burden of proof ")

Aus dem CM/1 Formular vom o.g. Beispiel [1]



Somit wurden vielleicht (!) Staatsangehörigkeit + Nationalität kombiniert - so ergab sich dann Pol. Ukr. oder Polish/Belarusian?

Das sehe ich auch so: die Grenzen zwischen „Staatsangehörigkeit“ auf der einen, „Nationalität“ / „Identität“ auf der anderen Seite waren mit Sicherheit fließend.
Bei den Beispielen „Polnisch B/R“ wird i.R. als erste Sprache „White-Russian“ (seltener " Russian") genannt, ein Indiz für das soziale Umfeld und das eigene Selbstverständnis. Polnisch kommt erst danach.

Und weil du Galizien erwähnst: Es wird ja gemeinhin als „historische Landschaft“ bezeichnet [1], „[…] deren Bewohner – unabhängig von sich ändernden Herrschafts- und Wirtschaftsstrukturen (und meistens geringfügigen Änderungen der Grenzen) – ein identitätsstiftendes Gefühl der historisch gewachsenen Zusammengehörigkeit haben.“ [2] - Besser kann man es kaum formulieren. (mho)

[Ähnliche Einträge in „Nationalität“ finden sich übrigens auch bei den „Bremen-Karten“
„VG“ = Venezia Giulia (Julisch Venetien) - siehe post #13 und #14
„eg /EG/e.g“ = ethnic German]


passt auch noch zum Thema (e-guide):
Wie kommt es zu unterschiedlichen Angaben auf verschiedenen Karten zu einer Person, vor allem bei der Nationalität?


  1. ↩︎

  2. (Historische Landschaft – Wikipedia) ↩︎

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