- Document ID: 11470236
- Document Collection: 1-2-2-1_Inhaftierung in Gef�ngnissen (Gruppe P.P.)
- Link to Online Archive: https://collections.arolsen-archives.org/de/document/11470236
Hallo Günter,
ja bitte, auch dieses Dokument erfassen.
Bei derartigen Daten kann es sich auch um Verschreibungen handeln und somit wäre dann ggf. eine Person, die zu den Verfolgten des NS gehört, nicht auffindbar über die Namensuche.
Dankeschön und viele Grüße
Elke
Hallo Elke, hallo Günter,
in der Rubrik “eingeliefert von” ist “Mil. Police” vermerkt. Kann es nicht sein, dass es sich hier um die richtige Jahreszahl handelt, da das Zuchthaus Siegburg kurz vor Kriegsende von der US-Armee befreit wurde.
Viele Grüße Daniela.
Hallo zusammen,
ich kann mir nicht vorstellen, dass die US Mil Police während des Krieges Häftlinge an das NS Deutschland ausgeliefert hat. Insofern müsste das Einlieferungsdatum doch stimmen. Dieser Fall passt so gar nicht zum allgemeinen Verständnis, ein Fall für Historiker. Ich habe das Dokument über den Melden-Button gemeldet.
Gruß Günter
Hallo nochmal,
gestern ist mir ein anderes Dokument mit Einlieferung 1946! aufgefallen (https://collections.arolsen-archives.org/de/document/11571750). Kann es sein, dass Gefängnisse unter US/Britischer Aufsicht weiter betrieben worden sind, nachdem die von der NS Justiz verurteilten Gefangenen befreit wurden?
Gruß Günter
Günter
Hallo Günter,
ja genau, das vermutete ich.
Gruß Daniela
Guten Morgen Günter,
ja, derartige Fälle hat es gegeben haben, dass die Alliierten Streitkräfte vorhandene Einrichtungen ‘für ihre Zwecke’ weitergenutzt haben.
Bei Daten, die auf Inhaftierungen nach Beendigung des Krieges hinweisen, schauen wir noch mal drauf und versuchen, den Kontext zu klären.
Da wir auch gemeldete Dokumente noch einmal ansehen, ist es auch völlig okay, diese zu melden.
Dankeschön für euer Engagement.
Viele Grüße
Elke
Hallo Elke,
danke für die Info.
Gruß
Günter
Z. B. für Wuppertal ist ausdrücklich angegeben, dass die Laufzeit 1933 bis 1950 ist: https://collections.arolsen-archives.org/de/archive/1-2-2-1_3611000
Ganz vorne ist eine Beschreibung, wie Beschäftigte des damaligen ITS in den 70ern nach Wuppertal gefahren sind, um da Kopien von den Karteikarten zu machen, und die Kartei hatte eben die Laufzeit von 1933 bis 1950, so steht es im Bericht. (Es waren übrigens zu viele, um sie vor Ort zu kopieren, darum hat man das Gefängnis, dass sie eigentlich aus der Hand geben wollte, davon überzeugen können, sie auszuleihen und beim ITC zu kopieren. Ganz schön spannend, wie so etwas damals vor sich ging.)
Aber es ist eindeutig, dass der Bestand planmäßig eben nicht nur das Dritte Reich umfasst, sondern auch die unmittelbare Nachkriegszeit, und dass es keine Ausreißer oder so sind.
Wie ihr vom Team damit umgehen wollt, müsst ihr halt entscheiden.
(Ich war übrigens bisher davon ausgegangen, dass euch das bewusst war, denn die auswählbaren Jahre gehen auch für die Einlieferung bis 1955 oder so. Folglich habe ich es einfach so eingetragen, wie es auf der jeweiligen Karte steht. Und so werde ich, bis ich gegenteiliges höre, auch erstmal weiter verfahren.)
Ja, ich hatte das auch soeben und habe das Dokument gemeldet. Merkwürdig, dass die die gleichen Karteikarten genutzt haben
Andrea
Direkt nach dem Krieg hatte man sicherlich besseres zu tun, als grundlos neue Formulare zu entwickeln und kostbares Papier zu verschwenden.
Ich vermute (ohne es genau zu wissen), dass die Gefängnisse oft mehr oder weniger einfach weiter betrieben wurden, nur unter neuer Leitung. Die politischen Häftlinge wurden freigelassen, diejenigen, die wegen eines „normalen“ Verbrechens verurteilt waren, nicht unbedingt. (Wie auch immer man die Abgrenzung in Einzelfall zog.)
Auch in der Zeit des Nationalsozialismus gab es natürlich „normale“ Verbrechen, zu Recht verfolgt wurden (auch wenn die Abgrenzung sicher nicht immer scharf war).
Und danach auch. Die Gerichte nahmen relativ schnell die Arbeit wieder auf, und so kamen neue Verurteilte in die Gefängnisse, die also auch nach dem Krieg weiterarbeiteten.
Daher wundert es mich nicht, dass man nicht gleich alle Verwaltungsabläufe neu gestaltet, sondern die Kartei weitergeführt hat.
Es ist im Prinzip das Gleiche wie bei dem Workflow zur Ausländermeldekartei. Die wurde auch vom späten Kaiserreich bis in die frühe Bundesrepublik geführt, sodass sich Karten von den 1910ern bis in die 1950er darin befinden.
und stellenweise wohl auch das gleiche Personal…
Am 11. April 1945 befreiten amerikanische Truppen das Strafgefängnis Wolfenbüttel. Nach einer Überprüfung der Gefangenen entließen sie diese und suspendierten das Vollzugspersonal. Einige politische Gefangene blieben noch vor Ort und unterstützten die Amerikaner. Ab Juni 1945 genehmigte die britische Militärregierung schrittweise die Wiedereinstellung des entlassenen Personals.
Aus: Wolfenbüttel unter britischer Besatzung
mehr über : Justiz nach 1945
Es ist uns bewusst, dass die Zeiten für Inhaftierungen auch die ersten Nachkriegsjahre betreffen können. Mitarbeitende des ITS durften oftmals, wie auch in diesem Fall, Dokumente verfilmen. Sei es vor Ort oder aber auch bei uns im Haus.
Da viele Einrichtungen nach dem Krieg weitergeführt wurden und die Registrierungen mit dem vorhandenen Karteikarten, Büchern, etc. erfolgten, ist eine klare Trennung der Verfolgtengruppe nicht immer auf den ersten Blick gegeben.
Auch um derartigen Kontext besser herausarbeiten zu können, ist es so wertvoll die Daten zu erfassen.
Hallo Elke,
gut. Dann habe ich folgendes vom Arolsen Team gewünschte Vorgehen bei den Daten von Gefangenenkarten verstanden.
a) präferiert: die Daten wie gewohnt zu erfassen, auch wenn die Einlieferungsdaten nach dem 08.05.1945 liegen. Damit ist sichergestellt das alle Daten erfasst werden und das Arolsen Team später durch Datenbank Analysen NS Verfolgte und Verbrecher unterscheiden kann.
b) alternativ: Karten können auch per Button “Melden” gemeldet werden. damit ist sichergestellt, dass diese Karten durch Arolsen begutachtet und ggf. erfasst werden.
Gruß und schönes Wochenende
Günter
