Hoevel, Andreas: Einlieferung schon 1935?

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Discussion Question

Hoevel, Andreas: Einlieferung schon 1935?
Asked by @t-m

Auf dieser sehr niedrigen Nummer mit gleich sechs Einträgen steht beim ersten als Einlieferungsdatum eindeutig 20.08.1935. Das KZ Buchenwald wurde aber erst 1937 eröffnet.

Kann es sein, dass bei diesen ganz frühen Einträgen das Einlieferungsdatum angibt, wann ein Häftling zum ersten mal in ein KZ eingeliefert wurde, auch wenn er erst später nach Buchenwald überführt wurde? Sonst ist bei frühen Einträgen ja meist für die Einlieferung kein Datum angegeben, dass scheint erst ab ca. 1943 wieder aufzukommen, dann allerdings gestempelt. (Das sieht man hier an der Karte ganz gut, nur die bei den ersten beiden ist ein Datum für die Einlieferung angegeben. Hätte es einen siebten Eintrag gegeben, hätte der Ende 1944 wahrscheinlich einen Stempel mit dem Einlieferungsdatum bekommen.

@mareike.hennies Wäre es sinnvoll, für Fälle wie diesen das Menü (erneut) zu erweitern und frühere Jahreszahlen als 1937 vorzusehen (idealerweise dann wohl ab 1933)?

Der 20.08.1935 wird in diesem Gesuch vom 25.10.1937 tatsächlich als Verhaftungsdatum genannt (geschrieben in Sachsenhausen, wg zusätzlicher Kleidung)
„Bei meiner Verhaftung am 20.August 1935 hatte ich mich, eine längere Haftdauer sowie Abtransport vom Heimatsort Wiesbaden nicht voraussehend, nur leicht und einfach gekleidet.“


collections.arolsen

Hier (mahnmal.koblenz) wird seine Geschichte erzählt.
Auszug (teilweise wörtlich übernommen):
André Hoevel war Mitglied der KPD. Er emigrierte ins Saargebiet, kehrte im September 1933 nach Deutschland zurück und kam bald darauf in Schutzhaft. Anschließend wurde er wegen „Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens“ zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Er verbüßte diese Strafe im Gefängnis in Hameln an der Weser.
[…] 1935 kam er frei, wurde aber wenige Monate später erneut in Schutzhaft genommen. Diesmal machte sich der NS-Staat gar nicht die Mühe eines Strafverfahrens. Als „unverbesserlicher Staatsfeind“ wurde André Hoevel ins Konzentrationslager Esterwegen im Emsland verschleppt.
Am 1. September 1936 kam er „auf Transport“ nach Sachsenhausen bei Berlin, um dort das in der Entstehung befindliche Konzentrationslager aufzubauen.
Im Juli 1937 wurde André Hoevel zum Aufbau des Konzentrationslagers Buchenwald bei Weimar überführt. Dort war er - wie auch früher in Esterwegen - Kapo der Effektenkammer, d.h. der von der SS ausgewählte Leiter des Arbeitskommandos, das die Wertsachen u.a. im KZ verwaltete
André Hoevel wurde zu Weihnachten 1938 aus dem KZ Buchenwald nach 40-monatiger Haft entlassen. Er ging nach Berlin und folgte dem Ruf seiner Schwägerin, um hier in Koblenz den Obst- und Gemüsehandel seines plötzlich verstorbenen Schwagers Peter Heeb in der Trierer Straße 97 zu übernehmen.
Später wurde er zusammen mit seiner Frau Anneliese wegen „Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens und wegen Rundfunkverbrechens“ zum Tode verurteilt und am 28. August 1942 mit dem Fallbeil im Gefängnis Frankfurt/Main-Preungesheim hingerichtet.


einige weitere Quellen, z.B. wikipedialagis.hessen

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